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Erotik mit Herz und Seele

Der Girl and Boyshop mit Sitz in Bern ist nicht einfach einer von vielen Erotikläden. Dieses Lokal wird von Inhaber Michel Abegg mit grosser Leidenschaft geführt und bietet ein breites Sortiment, welches gezielt auf die Bedürfnisse von homo-, bi-, trans- und heterosexuellen Kundinnen und Kunden eingeht.

In den Sommermonaten geht es jeweils rund zu und her. Im Fokus hat Michel Abegg die verschiedenen Prides, die er nutzt, um seine Aktivitäten dem breiten Publikum zu präsentieren. «Zürich Pride Festival»,«CSD Köln», «GAYWEST Festival» - um nur einige Anlässe zu nennen - stehen auf dem Programm. Jeweils vor Ort verteilt er Flyers und kleine «Goodies», um auf sein Geschäft aufmerksam zu machen. Essenziell seien diese Standaktionen, erklärt Abegg, da ihm nur bescheidene Mittel zur Verfügung stehen. Dies im Gegensatz zu den Grossmärkten, die über ein wesentlich grösseres Budget verfügen. Der Alleinunternehmer lebt für seine Passion, investiert dafür viel Engagement und Herzblut, was ihm auch zugutekommt. Denn immer mehr Kundinnen und Kunden werden auf den kleinen Shop im Industriegewerbe etwas ausserhalb Berns aufmerksam und besuchen diesen regelmässig.

Firmengründung im Zürcher Oberland

«Ich wollte mich schon immer in der Verkaufsbranche verwirklichen», erzählt Michel Abegg, der nach der Schule zuerst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner absol-vierte. Noch im Zürcher Oberland zuhause, wo Michel Abegg aufwuchs, konkretisierten sich seine Pläne. Dessen Nachbarn gaben ihm mit einem entschei-denden Input den nötigen Anstoss, seine Wünsche zu realisieren. So gründete er am 04. April 2011 seine Einzelfirma «Abegg Xhandel» und betrieb einen Gay-Onlineshop. Elf Monate später brach er die Zelte in Wetzikon ab und domizilierte in die Berner Agglomeration nach Niderscherli. «Die Liebe hat mich nach Bern gebracht», blickt Abegg schmunzelnd zurück. Mit der Unterstützung seines langjährigen Partners baute er das Onlineangebot immer mehr aus, sodass nicht nur homo- und bisexuelle Kunden davon profitierten, sondern auch Heterosexuelle. «Wir bauten die virtuelle Plattform auf mehrere Onlineshops aus, um ein grösseres Zielpublikum zu erreichen», so der Jungunternehmer.

Eigenes Verkaufslokal in Bern

Michel Abeggs grösster Wunsch, einen eigenen Laden zu führen, ging im Oktober 2014 in Erfüllung. «Wir vertrieben diverse Erotikartikel in unserer Wohnung, die wir zu einer Verkaufsfläche umgestalteten. Doch die Privatsphäre litt immer mehr darunter.» Deswegen hielt er aktiv Ausschau, um eine günstige Lokalität zu erwerben. Im Industriegelände zwischen Bern und Ostermundigen wurde Abegg fündig: Eine Verkaufsfläche im vierten Stock eines älteren Fabrikgebäudes, inklusive diskretem Eingang. Gerade für Kunden ideal, die nicht gerne gesehen werden wollen, wenn sie einen Erotikladen betreten.

Vielseitiges Ladenangebot für jeden Geschmack

Der Shop bietet der Kundschaft ein breites und buntes Angebot. Sei es für den all-täglichen Gebrauch diverse Arten von Kondomen und Gleitmittelnaufreizende Kleidungsstücke, verführerische Duftstoffe, Massagenöl oder für die Experimentier-freudigen verschiedene Toys, wie DildosVibratoren und Masturbatoren. Ebenso besteht ein breites Sortiment für Liebhaber von unzähligen Fetisch-Variationen. Abgerundet wird die Palette mit Porno-DVD’s für jeden Geschmack, Heftchen oder themenbezogene Lektüren, die jeden sexuellen Horizont erweitern lassen. Im regelmässigen Turnus finden sich einige Artikel zu günstigen Rabattpreisen wieder. Mit äusserster Diskretion berät Michel Abegg die Kunden und deckt dank seiner Fachkompetenz deren Bedürfnisse professionell ab. Die Atmosphäre im Girl and Boyshop lädt zum Verweilen ein, wie Abegg bestätigt: «Gerne trinken die Gäste auch mal einen Kaffee bei mir, diskutieren über Gott und die Welt und kaufen nebenbei noch etwas für sich.»

Lokal soll zum Treffpunkt werden

Ästhetik ist für Michel Abegg sehr wichtig. Deshalb möchte er seinen Beitrag dazu leisten, um die Erotikbranche salonfähiger zu machen. «Klar, ich könnte theoretisch eine Porno-Videokabine zur Verfügung stellen, doch dies passt nicht zu meinem Ambiente. Mein Laden soll die Kundin oder der Kunde nicht als schmuddelige Lokalität in Erinnerung behalten, sondern in ihm einen nachhaltigen Effekt auslösen, sodass sie oder er gerne wieder kommt.» Viel mehr möchte er je länger je mehr den Laden auch als Treffpunkt nutzen. So veranstaltet Abegg immer wieder Apéros oder ähnliche Anlässe in seinem gemütlichen Shop.

Den Traum des eigenen Geschäfts weiter leben

Über den Onlinehandel und dem Erotikshop hat Michel Abegg einen breiten Kund(en)innenstamm für sich gewonnen. «Ein Ereignis wird mir immer in Erinnerung bleiben, als ich einmal einer älteren Dame bei der Beratung und dem Verkauf eines Dildos behilflich sein konnte», weiss der Verkäufer zu berichten. «Der lockere Umgang in diesem Verkaufsgespräch haftet bei mir stets in positiven Gedanken.» Längerfristig erhofft sich Abegg, dass er eines Tages seinen Laden vergrössern kann. Mit noch reichhaltigerem Angebot und mehr Nischenmöglichkeiten für den immer mehr wachsenden Treffpunkt.


Tillate Zeitungsartikel vom 26. Januar 2017: (Artikel LINK)


Ein IV-Rentner versorgt dich mit Dildos und Sextoys

Mit Kampf- und Unternehmergeist erobert ein 26-jähriger IV-Rentner den Schweizer Eroitikmarkt. Wir haben Michel Abegg in seinem Laden «Girl and Boyshop» in Bern besucht.


Ganz oben, im vierten Stock eines unscheinbaren Bürokomplexes Im Industriegebiet am Berner Stadtrand finden wir den «Girl and Boyshop». Der kleine Laden ist eine der ersten Anlaufstellen für alle, die mit qualitativ hochwertigen Toys und Accessoires ihrem Sexleben neuen Schwung verschaffen wollen.

«Wir sind für jeden da – ob hetero, homo, bi oder trans,» erklärt Besitzer Michel Abegg. Der junge Mann mit den flaschenbodendicken Brillengläsern lächelt und zeigt uns stolz sein Reich, das er mit gerade mal 24 Jahren ganz aus eigener Kraft und mit eigenen Ressourcen eröffnet hat.

Wenn das Rumsitzen zu langweilig wird

Dildos und Vibratoren in allen Formen, Farben und Grössen, Sexschaukeln, Gummipuppen, Peitschen, Fesseln und andere Utensilien bevölkern den kleinen, aber feinen Verkaufsraum. Nicht ohne Stolz erzählt uns Michel von seinem Werdegang. Nach einer abgebrochenen – oder «fast ganz abgeschlossenen» – Ausbildung zum Landschaftsgärnter sei ihm das «Rumsitzen» zu langweilig geworden.

Aufgrund einer starken Sehbehinderung bezieht er seit jeher Invalidenrente und könnte sich – wenn er das denn wollte – zurücklehnen und auf bessere Zeiten hoffen. Ist aber so gar nicht seine Art, wie er selbst sagt: «Ich brauche eine Aufgabe. Und die habe ich mir mit dem Laden selbst gegeben.»

Mit cleverem Konzept zu eigenem Startkapital

Begonnen habe alles mit einem einfachen Online-Versandhandel für Erotikartikel, den er aus seinem Wohnzimmer heraus betrieben habe. Und das ohne Schulden bei der Bank oder viel Startkapital. «Ich habe den Webshop gegründet und bei eingehenden Bestellungen bin ich in den nächsten grösseren Sexshop gefahren, habe die Artikel gekauft und mit zehn Franken Aufpreis an meine Kunden verschickt.»

Clever! Auf diese Weise konnte er sich genug zusammensparen, um vor zwei Jahren ziemlich medienwirksam seinen Laden aufzumachen – 20 Minuten berichtete. Heute kauft er zu fairen Preisen bei Grosshändlern aus der ganzen Welt ein. «Am Anfang hatten wir rein schwules Sortiment. Jetzt bedienen wir alle Menschen. Vor allem die Artikel im BDSM-Bereich sind gefragt, Harnröhrentoys und Hodenstrecker. Und Dessous für Männer!»

Auch Freunde gehören zur Kundschaft

Das Konzept scheint aufzugehen. «Die Geschäfte laufen nicht schlecht. Natürlich könnte es besser gehen, aber Ich mache keinen Verlust und kann die Fixkosten stemmen. Mein Ziel ist es, irgendwann nicht mehr auf den IV-Beitrag angewiesen zu sein und vielleicht den Shop an eine zentralere Lage zu verlegen. Die Miete muss man aber auch bezahlen können», lacht er.

Und was sagen eigentlich die Mama und der Freundeskreis dazu, dass Michel – der aufgrund seiner Beeinträchtigung nicht mal Autofahren darf – seinen Lebensmittelpunkt von einer Bittstellerposition in die «Schmuddelecke» veragert hat? «Die sind alle begeistert und megastolz. Viele meiner Freunde sind auch Kunden bei mir – sie sitzen ja jetzt quasi an der Quelle.»


20 Minuten Zeitungsartikel vom 04. März 2015: (Artikel LINK)

IV-Rentner betreibt eigenen Sexshop

Dank Dildos, Handschellen und Gleitgel irgendwann weg von der IV-Rente: Der sehbehinderte Michel Abegg betreibt in Bern seinen eigenen Sexshop.


«Ich wollte nicht mehr von Vater Staat gefüttert werden», sagt IV-Bezüger Michel Abegg. Deshalb hat der 24-Jährige, der wegen einer starken Sehbehinderung auf dem Arbeitsmarkt chancenlos ist, sein eigenes Geschäft ins Leben gerufen: Er betreibt am Berner Zentweg den Erotikshop Die2. «Wir bieten von Fisting Toys über Liebespuppen bis hin zu heisser Kleidung beinahe alles für Frauen und Männer an», so Abegg. Fehlt trotzdem etwas in den vollen Regalen, bestellt es der Verkäufer nach. «Ich erfülle meinen Kunden jeden Wunsch.» Die Branche sei hart umkämpft – durchschnittlich eineinhalb Kunden würden gemäss «Berner Zeitung» pro Tag bei ihm etwas kaufen. «Ich hoffe, dass ich eines Tages von meinem Geschäft leben kann und nicht mehr auf die Rente angewiesen sein muss», so Abegg gegenüber 20 Minuten.

Abegg ist nicht nur ein findiger Geschäftsmann, sondern auch ein Stehaufmännchen: «Ich bin in dieser Branche schon oft auf die Nase gefallen und habe immer daraus gelernt.» Vor vier Jahren begann der junge Berner, der vom Nichtstun die Nase voll hatte, mit dem Betreiben eines Gay-Onlineshops. Er musste damals jedoch ständig erfolglos seinem Guthaben hinterherrennen – das im Dezember 2014 eröffnete Geschäft im Berner Industriegebiet sei nun etwas Handfesteres. Unterstützung bei der Arbeit erhält Michel Abegg von seinem Lebenspartner, «denn manchmal läuft das Geschäft auch richtig gut».

Seit dem «Fifty Shades of Grey»-Boom würde öfter mal nach S&M-Ware gefragt: «Ich habe zusätzliche Peitschen und Fesseln eingekauft», so Abegg. «Man merkt, dass in dieser Branche ein gewisses Tabu schwindet.»

Politiker über Idee erfreut

Politiker Thomas Fuchs begrüsst die Geschäftsidee des Erotik-Verkäufers: «Ich unterstütze den Mut von Abegg, auf eigenen Beinen zu stehen, um so sein Geld selbst zu verdienen.» Auch sei es wichtig, dass parallel zum Geschäftseinkommen die volle IV-Rente weiterhin bezahlt werde, findet der Berner Grossrat: «Wenn sich ein IV-Bezüger für das Berufsleben engagiert, muss für ihn auch ein entsprechender Anreiz bestehen.»


BZ Zeitungsartikel vom 03. März 2015: (Artikel LINK)

Ein Sexshop trotzt dem Internet

Niederscherli/BernIn einer Branche, die sich zu einem grossen Teil online abspielt, hat er ein Ladengeschäft eröffnet: Michel Abegg ist überzeugt, mit seinem Sexshop eine Zukunft zu haben.


Sicher, der Zulauf könnte besser sein. Gerade mal durchschnittlich anderthalb Kunden pro Tag schauen im Erotikshop von Michel Abegg vorbei. Anfang Dezember hat der Niederscherler sein Ladenlokal am Zentweg in Bern eröffnet, und seither versucht er mit bescheidenen finanziellen Mitteln das Geschäft anzukurbeln. Er schickt elektronische Kundenbriefe los, macht Aktionen – wie Mitte Januar, als die Nationalbank den Wechselkurs zum Euro freigab und er prompt mit der Botschaft der Grossen im Detailhandel reagierte: Auch wir gewähren einen Eurorabatt.

Der 24-Jährige geht unbeirrt seinen Weg. Auch wenn sich die Frage zwangsläufig stellt: Wie kommt ein junger Mann auf die Idee, einen Shop in einer Branche zu eröffnen, in der Diskretion alles und das Onlinegeschäft so wichtig ist wie kaum sonstwo? «Ich bereue den Schritt nicht. Die Kunden wollen die Ware anfassen. Und ich will sie beraten.»

Rente als Lebensgrundlage

Um es gleich vorwegzunehmen: Von seinem Shop muss Michel Abegg nicht leben können. Ohne Umschweife gibt er zu Protokoll, dass er wegen einer starken Sehbehinderung eine Invalidenrente bezieht. Dennoch schlägt er den Bogen gleich zurück zu seinem Geschäft – denn angefangen hat er vor vier Jahren just wegen seiner Augen. «Ich wollte nicht nur tatenlos herumsitzen.»

Michel Abegg wohnte damals noch im Kanton Zürich, und er erinnert sich gut an die Frage seines Nachbarn, mit der alles anfing: ob er seine viele freie Zeit nicht nutzen und in den Erotikhandel einsteigen wolle. Flugs stellte er eine Seite ins Internet und versuchte es auf seine Art. «Ich kaufte die bestellten Artikel im nächsten Sexshop ein und verkaufte sie mit einer Zehnernote Marge weiter.» Noch heute staunt er darüber, dass das Geschäft so funktionierte.

Von Grund auf gelernt

Wie die Branche tickt, musste Michel Abegg in der Folge von Grund auf selber entdecken. Dass es dabei immer wieder Rückschläge gab und gibt, sagt er offen. So gelang es ihm auf der einen Seite zwar, sich ein stabiles Netz von Händlern aufzubauen, über das er die Ware beziehen kann. Auf der anderen Seite kommt er trotz allen Bemühens aber nicht so recht vom Fleck.

Den Geschäftsgang bezeichnet er als «ständiges Auf und Ab». Mal verkauft er zwei, drei Wochen lang ganz gut, mal bleibt es zwei, drei Wochen lang mehr als ruhig. In solchen Momenten ist ihm wichtig, einen Partner neben sich zu wissen: «Immer, wenn der eine aufgeben will, findet der andere, es müsse weitergehen.»

Kein Privatleben mehr

Warum er in dieser Situation überhaupt an den Zentweg expandierte? In der gemeinsamen Wohnung in Niederscherli sei der Platz für all die Ware zu knapp geworden, blickt Michel Abegg zurück. Bereits vor der Eröffnung in Bern habe er nicht mehr nur online verkauft: «Immer wieder kamen Leute vorbei und kauften direkt bei uns ein. Wir hatten kein Privatleben mehr.»

Entgegengekommen ist ihm dabei nicht nur, dass er für den Lebensunterhalt auf die Rente abstellen kann. Genauso ins Gewicht fiel, dass er für den Raum im vierten Stock eines alten Industriegebäudes nicht allzu viel zahlt. Und dass er für seine Zukäufe nicht auf Banken zurückgreifen muss, sondern Erspartes oder Geld von Bekannten anzapfen kann – die Miete, rechnet er vor, bringe er auch heute in einem halben Monat zusammen.

Weg von der Rente

Natürlich träumt Michel Abegg davon, irgendwann von der Rente loszukommen und von seinem Shop leben zu können. Und wenn er trotz allem noch scheitert? «Dann habe ich es wenigstens probiert.»